Wiener Secession

Künstlervereinigung des Fin de Siècle und ihr markantes Ausstellungshaus in Wien – Ausdruck der Wiener Moderne in Kunst, Architektur und Design.

Überblick

Die Wiener Secession ist eine Künstlervereinigung, die 1897 in Wien gegründet wurde, sowie das von ihr errichtete Ausstellungshaus (das sogenannte Secessionsgebäude). Sie zählt zu den prägenden Institutionen des Fin de Siècle und steht für das Bestreben, traditionelle akademische Schranken zu überwinden und neue künstlerische Ausdrucksformen in Malerei, Skulptur, Architektur und angewandter Kunst zu fördern.

Geschichte

Die Secession entstand 1897 aus einem Bruch mit der konservativen Künstlerhaus-Gesellschaft; eine Gruppe junger Künstler und Architekten suchte größere Freiheit für moderne Kunst. Die Mitglieder formulierten das bekannte Motto „Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit.“ und organisierten unabhängige Ausstellungen, die progressive Positionen zeigten und internationale Strömungen präsentierten.

Wesentliche Stationen

  • 1897: Gründung der Künstlervereinigung in Wien.
  • 1897–1898: Errichtung des Secessionsgebäudes durch Joseph Maria Olbrich.
  • 1898–1903: Herausgabe der Zeitschrift Ver Sacrum als Publikationsorgan der Secession.
  • 1902: Präsentation des Beethovenfrieses von Gustav Klimt bei einer großen Ausstellung.
  • 1903–1905: Enge Verflechtung mit entstehenden Designinitiativen (etwa der Wiener Werkstätte).
  • 1905: Austritt Gustav Klimts und weiterer Mitglieder nach inneren Spannungen.

Secessionsgebäude

Das Gebäude der Wiener Secession wurde 1897–1898 von Joseph Maria Olbrich entworfen und zählt zu den ikonischen Bauwerken der Stadt. Charakteristische Merkmale sind die kubische Form, die ornamentale Fassade, die Schriftplatte mit dem Secessionsmotto und die weithin sichtbare Kuppel aus vergoldeten Lorbeerblättern. Innenräume und Ausstellungssäle sind klar strukturiert und darauf ausgelegt, zeitgenössische Kunst unabhängig von akademischen Vorgaben zu zeigen.

Künstlerisches Programm und Stil

Die Secession verfolgte ein breites, interdisziplinäres Programm: Malerei, Skulptur, Architektur, Grafik, Möbel- und Textildesign gehörten gleichermaßen dazu. Stilistisch ließ sich die Bewegung dem europäischen Jugendstil (Art Nouveau) zuordnen, entwickelte aber eine spezifische Wiener Ausprägung, die sowohl schmückende als auch strenge, geometrische Elemente verband. Das Konzept des Gesamtkunstwerks (Gesamtkunstwerk) spielte eine zentrale Rolle: Räume, Einrichtungsgegenstände und Bildende Kunst sollten einheitlich gestaltet sein.

Wichtige Persönlichkeiten

  • Gustav Klimt – prägender Maler der Secession und Schöpfer des Beethovenfrieses.
  • Koloman Moser – Maler und Designer, bedeutend in der Entwicklung angewandter Kunst.
  • Josef Hoffmann – Architekt und Designer; später Mitbegründer der Wiener Werkstätte.
  • Joseph Maria Olbrich – Architekt des Secessionsgebäudes.
  • Carl Moll, Max Kurzweil u. a. – Mitglieder mit teils aktivem Ausstellungsengagement.

Bedeutung und Nachwirkung

Die Wiener Secession hatte weitreichende Folgen für die Entwicklung der modernen Kunst und des Designs in Wien und darüber hinaus. Sie trug zur Durchsetzung eines modernen Kunstbegriffs bei, förderte interdisziplinäre Zusammenarbeit und bildete ein Forum für internationalen Austausch. Aus ihrer Arbeit gingen wichtige Institutionen und Initiativen hervor, allen voran die Wiener Werkstätte, die ästhetische Prinzipien der Secession in Gebrauchskunst und Industriegestaltung übertrug.

Einfluss

  • Stärkung der Rolle der angewandten Künste und des Designs.
  • Prägung des Wiener Jugendstils und Vorbereitung der Wiener Moderne.
  • Langfristige Auswirkung auf Museums- und Ausstellungskonzepte in Europa.

Zusammenfassung

Die Wiener Secession ist sowohl eine historische Künstlervereinigung als auch Namensgeberin eines markanten Ausstellungshauses in Wien. Gegründet 1897, setzte sie sich für künstlerische Freiheit, interdisziplinäre Zusammenarbeit und eine moderne Verbindung von Kunst und Alltag ein. Das Secessionsgebäude von Joseph Maria Olbrich, die Publikation Ver Sacrum und Werke wie Gustav Klimts Beethovenfries symbolisieren die Rolle der Secession als Scharnier zwischen Jugendstil und europäischer Moderne.

Kurzfassung: Die Wiener Secession (gegründet 1897) war ein zentrales Forum der Wiener Moderne, das durch sein Ausstellungshaus, sein Programm und Persönlichkeiten wie Gustav Klimt, Josef Hoffmann und Koloman Moser nachhaltigen Einfluss auf Kunst und Design hatte.